Zeecksche Villa | Umbau und denkmalgerechte Sanierung

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Zeecksche Villa in Rostock: Architekturdenkmal mit bewegter Nutzungsgeschichte

Die Zeecksche Villa, auch Villa Zeeck genannt, gehört zu den bemerkenswertesten erhaltenen Stadtvillen Rostocks. Sie steht in der August-Bebel-Straße 55, 18055 Rostock, und verbindet großbürgerliche Wohnkultur des frühen 20. Jahrhunderts mit einer ungewöhnlich wechselvollen Nutzungsgeschichte. Errichtet als repräsentatives Wohn- und Geschäftshaus, diente sie später unter anderem als Unterkunft, Gerichtsgebäude und Forschungsstätte. Heute wird das denkmalgerecht sanierte Gebäude überwiegend als Unternehmenssitz genutzt.

Geschichte der Villa Zeeck

Erbaut wurde die Villa 1909 für die Familie des Rostocker Kaufhausunternehmers Gustav Zeeck. Die Familie war seit 1896 in Rostock ansässig und betrieb in der Kröpeliner Straße das bekannte Kaufhaus Zeeck. Dieses Kaufhaus wurde während des Zweiten Weltkriegs zerstört; an seinem früheren Standort befindet sich heute ein Geschäftshaus, das von Peek & Cloppenburg genutzt wird.

Mit dem Entwurf der Villa wurde Paul Korff beauftragt, ein überregional tätiger Architekt, der in Mecklenburg zahlreiche Wohnhäuser, Villen, Gutshäuser und öffentliche Gebäude plante. Die Ausführung übernahm der Rostocker Bauunternehmer Heinrich Quade. Für die Architekturgeschichte der Stadt ist das Gebäude deshalb ein besonders interessantes Referenzprojekt: Schon 1909 demonstrierte ein Architekt in Rostock, wie sich traditionelle Formen mit einer modernen Konstruktion und einem individuell entwickelten Raumprogramm verbinden ließen.

Ursprünglich lautete die Adresse Friedrich-Franz-Straße 55/56. Erst später erhielt die Straße ihren heutigen Namen August-Bebel-Straße. Die Villa diente der Familie Zeeck sowohl zum Wohnen als auch für geschäftliche Zwecke.

Lage zwischen Altstadt, Wallanlagen und Steintor

Die Villa Zeeck liegt südwestlich der historischen Rostocker Altstadt in unmittelbarer Nähe der Wallanlagen und des Rosengartens. Die heutige August-Bebel-Straße gehört zu den frühen Stadterweiterungen außerhalb der mittelalterlichen Befestigung. Unter ihrem früheren Namen Friedrich-Franz-Straße verband sie den Platz vor dem Steintor mit dem damals noch vorhandenen Vögenteich.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden hier Vorstadthäuser, Mietshäuser und – besonders im Umfeld des Rosengartens – repräsentative Stadtvillen. Durch Kriegszerstörungen und spätere Eingriffe ging ein erheblicher Teil dieser Bebauung verloren. Bei der Verbreiterung der August-Bebel-Straße von ungefähr 15 auf 23 Meter wurden auf der Nordseite zahlreiche Häuser und Nachkriegsbauten abgebrochen. Die Villa Zeeck und das benachbarte Haus Nummer 57 blieben jedoch erhalten. Dadurch verjüngt sich der ansonsten breite Straßenraum an dieser Stelle bis heute.

Gerade diese Lage macht das Gebäude städtebaulich besonders präsent. Es steht nicht isoliert im Grünen, sondern vermittelt zwischen dem historischen Wallbereich, der Innenstadt und einer stark frequentierten Verkehrsachse. Für jedes Architekturbüro in Rostock ist dieser Standort ein anschauliches Beispiel dafür, wie ein Einzeldenkmal die Gestalt eines ganzen Straßenabschnitts prägen kann.

Bauliche und gestalterische Besonderheiten

Paul Korff entwarf die Villa als zweigeschossigen Putzbau mit Souterrain und einem hohen, ausgebauten Walmdach. In ihrer Grundhaltung erinnert sie an ein barockes Landhaus. Dennoch handelt es sich nicht um eine bloße Kopie historischer Architektur. Die spielerische Gliederung der Baumasse, die unterschiedlichen Fensterformen und die sorgfältig komponierten Details verleihen dem Haus einen eigenständigen Charakter.

Besonders auffällig ist der bauplastische Fassadenschmuck aus Betonwerkstein. Pflanzliche Ornamente beleben den ansonsten hell verputzten Bau. Die Verwendung von Stahlbeton und gegossenen Schmuckelementen war für die Entstehungszeit ausgesprochen fortschrittlich. Korff verband somit ein traditionsbezogenes Erscheinungsbild mit modernen Materialien und Herstellungsmethoden.

Auch im Inneren ist die ursprüngliche Konzeption noch gut nachvollziehbar. Das kompakte Raumprogramm einer großbürgerlichen Villa umfasste unter anderem Salon, Herren- und Damenzimmer, Wintergarten, Schlafräume, Bad sowie verschiedene Funktionsräume. Wesentliche Teile der historischen Innenausstattung und ihrer ausdrucksstarken Farbgestaltung haben sich erhalten. Bei der jüngsten Restaurierung dienten Befunde der ursprünglichen Gestaltung als Grundlage für aufwendige Rekonstruktionsarbeiten.

Die Sanierung wurde durch das Rostocker Architekturbüro Jörn Bräuer begleitet; als leitender Restaurator war Jörg Schröder beteiligt. Das Projekt zeigt beispielhaft, welche Aufgaben ein auf Bestand und Denkmalpflege spezialisiertes Architekturbüro in Rostock übernimmt: historische Substanz untersuchen, moderne Nutzungsanforderungen integrieren und gleichzeitig den individuellen Charakter des Hauses bewahren.

Denkmalstatus

Die Zeecksche Villa ist offiziell als Baudenkmal der Hanse- und Universitätsstadt Rostock geführt. Der Schutz beschränkt sich bemerkenswerterweise nicht nur auf das Wohnhaus. In der Denkmalliste werden ausdrücklich die ehemalige Villa des Kaufmanns Zeeck, der Garten und die historische Einfriedung genannt. Damit wird das Anwesen als gestalterische Einheit verstanden.

Nach dem Denkmalschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern werden Denkmallisten nachrichtlich beziehungsweise deklaratorisch geführt. Entscheidend ist somit der erkannte Denkmalwert des Objekts. Veränderungen müssen entsprechend sorgfältig geplant und mit der Denkmalpflege abgestimmt werden.

Nutzungswechsel vom Wohnhaus zur „Röntgenphysik-Villa“

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zunächst sowjetische beziehungsweise russische Offiziere in der Villa untergebracht. Die Familie Zeeck durfte während dieser Zeit noch Keller- und Dachräume nutzen. Nach dem Auszug der Kommandantur zog 1949 das Amtsgericht Rostock ein. Im Jahr 1953 wurde die Familie enteignet und verließ wenig später die Stadt.

Ab 1957 beziehungsweise zum Studienbetrieb 1958 erhielt das Physikalische Institut der Universität Rostock die Villa als Außenstelle. Hier etablierte sich unter Gerhard Becherer die Festkörperstrukturforschung mit Röntgenstrahlung. Untersucht wurden unter anderem Festkörper und Gläser mittels Röntgenbeugung und Röntgenkleinwinkelstreuung. Aus dieser wissenschaftlichen Nutzung entstand der charmante Beiname „Röntgenphysik-Villa“.

1996 wurde das Gebäude an die Familie Zeeck rückübertragen und anschließend verkauft. Erste Sanierungsarbeiten begannen ab 1998, während die Universität die Villa noch bis 2015 nutzte. Ende 2017 erwarb die Hotelgruppe arcona das teilsanierte Anwesen und ließ es umfassend denkmalgerecht herrichten. Seither dient es vor allem als Unternehmens- und Verwaltungsstandort; zeitweise beziehungsweise zusätzlich war hier auch das Dänische Konsulat untergebracht.

Kleine Besonderheiten und Fun Facts

Die Villa ist gleich in mehrfacher Hinsicht eine Überlebende: Sie entging den Kriegszerstörungen, die das Kaufhaus der Familie Zeeck trafen, und blieb später auch bei der umfangreichen Verbreiterung der August-Bebel-Straße stehen. Der Straßenverlauf musste sich gewissermaßen dem Baudenkmal anpassen.

Noch ungewöhnlicher ist der Weg vom Damenzimmer zum Röntgenlabor: Wo ursprünglich großbürgerliche Repräsentation und Familienleben den Alltag bestimmten, wurden später über Jahrzehnte Festkörperstrukturen erforscht. Die Villa Zeeck ist damit weit mehr als ein schönes historisches Gebäude. Sie dokumentiert, wie wandlungsfähig hochwertige Architektur sein kann – und warum die behutsame Arbeit durch einen erfahrenen Architekten in Rostock beziehungsweise ein qualifiziertes Architekturbüro in Rostock für die Zukunft solcher Denkmale entscheidend ist.

Bauvorhaben Zeecksche Villa | Umbau und denkmalgerechte Sanierung
Bauherr privater Bauherr
Baukosten ca. 1,8 Mio. €
BGF ... m²
BRI ... m³
Planungsphasen 0–8 HOAI
Aufmaß 3D 2017
Planung 2018-2019
Realisierung 2019 (2 Jahre)
Kostenfeststellung ca. 1,8 Mio. €